Reinert Kunststofftechnik

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Zeitungsartikel vom 28.06.2012

 

 

TB. Die Firma Reinert Kunststofftechnik GmbH & Co. KG beschäftigt seit 1990 auch Menschen mit Behinderung. Begonnen hat alles mit dem Nachbarjungen der Eltern des Geschäftsführers Jürgen Hahn. Dieser war fest bei Reinert angestellt. Im Jahr 1997 wurde dann mittels Unterstützung des LWV, dem heutigen Integrationsfachdienst begonnen, weitere Menschen mit Behinderung in ein Beschäftigungsverhältnis bei Reinert zu integrieren. „Der Einstieg erfolgte zunächst immer über Praktika und unter intensiver Betreuung des Integrationsfachdienstes. Diese Vorgehensweise hat bis heute Bestand und ist erfolgreich“, sagt Jürgen Hahn. „Im Jahre 2006 installierten wir dann zusammen mit der Werkstatt Esslingen-Kirchheim (WEK) ein weiteres Integrationsmodell im Unternehmen. Eine Außenarbeitsgruppe nahm ihre Arbeit in unseren Räumlichkeiten auf“.

Aktuell arbeiten dort zehn Menschen mit Behinderung sehr selbstständig und sind nahezu komplett in den Reinert-Betriebsablauf integriert. Reinert stellt hierfür unentgeltlich Flächen und die gesamte Infrastruktur zur Verfügung. Die Firma Reinert beschäftigt sich mit der Herstellung von Kunststoffspritzgussteilen mit allen vor- und nachgelagerten Prozessen wie Entwicklung, Materialauswahl, Werkzeugbau, Logistik, Verpackung, Baugruppenmontage, Bedruckung, Verschweißung. Unter anderem werden die Branchen Automotive, Heizungstechnik und Gerätebau beliefert.#

Pivates Engagement

Der Geschäftsführer Jürgen Hahn hat das Unternehmen 1997 im Zuge einer Nachfolgeregelung erworben. Jürgen Hahn engagiert sich privat schon sehr lange für Menschen mit geistiger Behinderung, insbesondere in der Freizeitgestaltung dieser Personengruppe. Im Aktionskreis für Menschen mit und ohne Behinderung (AKB) Kirchheim betreut Jürgen Hahn schon viele Jahre die wöchentliche Sportgruppe des AKB. Aktuell ist er zudem für die samstägliche Laufgruppe zuständig, bei der auch einige der Menschen mit Behinderung aus seinem Betrieb dabei sind. Jürgen Hahn ist der Überzeugung, dass ein Betrieb wie Reinert sehr viele Arbeitsinhalte hat, die von Menschen mit Behinderung gut und zuverlässig gemeistert werden können. Deshalb hat er seine Freizeitaktivitäten auch auf seine unternehmerischen Aktivitäten übertragen. Er sieht auch sehr gute Chancen, diese Vorgehensweise auf andere Unternehmen zu übertragen. Die größte Hürde hierfür ist sicher, im Unternehmen einen Mitarbeiter aus der Führungsmannschaft für diese Sache zu gewinnen.

Vorbildcharakter 
für Unternehmen

„Nun haben wir auch damit begonnen, Menschen aus der Außenarbeitsgruppe in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bei Reinert im normalen Schichtbetrieb zu übernehmen. Seit März arbeiten nach einer Probezeit von drei Monaten zwei ehemalige Mitarbeiter aus der WEK-Außenarbeitsgruppe bei uns in Wechselschicht“, so Jürgen Hahn. Das Modell habe Vorbildcharakter für weitere Unternehmen in der Region. „Immer wieder präsentieren wir zusammen mit unseren Sozialpartnern unsere Modelle und unsere Vorgehensweisen, natürlich auch mit allen Chancen und Risiken“.

Reinert wird intensiv von den Sozialpartnern als Praktikumsbetrieb für Menschen aus Werkstätten und Förderschulen genutzt. Die Erfahrungen daraus sind für alle Beteiligten sehr wertvoll, denn es kann aus den unterschiedlichen Blickrichtungen die Entwicklung der Menschen mit Behinderung im Arbeitsumfeld mit ihren Fähigkeiten, sozialen Kompetenzen oder Zuverlässigkeit beurteilt werden. „Aktuell haben wir eine Langzeitpraktikantin aus einer Förderschule, die wir im Sommer auf alle Fälle übernehmen werden“, so Jürgen Hahn. „Wir denken, dass wir unsere Ziele in vielen Punkten sehr gut erreicht haben. Bisher gab es fast ausschließlich positive Resonanzen von allen Beteiligten“. So seien die Mitarbeiter mit Behinderung aus dem Reinert-Ablauf nicht mehr wegzudenken. Alle beteiligten Mitarbeiter mit und ohne Behinderung haben sich persönlich und fachlich weiterentwickelt, zwei Mitarbeiter mit Behinderung hätten sogar eine Partnerin bei Reinert gefunden. „Mittlerweile werden unsere Modelle von einigen anderen Unternehmen angeschaut und teileweise auch übernommen. Es gibt viele Betriebe, die Tätigkeiten haben, die von Menschen mit Behinderung durchgeführt werden können. Unser Betrieb bietet zudem ausgewählten Menschen mit Behinderung durch Kurz- und Langzeitpraktika die Chance zu zeigen, ob sie den Anforderungen eines normalen, aber aufmerksamen und verständigen Arbeitsumfelds gerecht werden. Dies schafft Chancen“, verspricht Hahn. Menschen, die bisher überwiegend „gefördert“ wurden, können nun ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und leisten ihren Beitrag in unser Sozialsystem.

Über diese Chancen konnte sich auch der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe im Juli letzten Jahres persönlich in der Bissinger Firma überzeugen. Um im Sinne des Inklusionsgedankens Unternehmen Impulse und Anregungen durch vorbildliche Aktionen und Maßnahmen zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zu geben, lobt das UnternehmensForum 2012 erstmalig den Preis „Unternehmen fördern Inklusion” aus, eine Initiative unter der Schirmherrschaft von Hubert Hüppe. Die Firma Reinert hat sich beworben.

Link zum Zeitungsartikel "Teckboten"