Reinert Kunststofftechnik

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Eßlinger Zeitung - EZ Online

Raus aus der beschützenden Werkstatt


03.09.2007


ES-ZELL: Behinderte Menschen wollen ein möglichst normales Berufsleben - W.E.K.-Mitarbeiter arbeiten dezentral bei renommierten Firmen

Die Werkstätten Esslingen-Kirchheim, kurz W.E.K., sind mit knapp 300 Plätzen eine der größten und leistungsfähigsten Werkstätten für Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung in der Region. Dringend werden 60 zusätzliche Werkstattplätze benötigt. Und da legt Geschäftsführer Axel Pulm eine gehörige Portion Ehrgeiz an den Tag. Statt am angestammten Platz in der Röntgenstraße in Zell einfach anzubauen, schafft er dezentral Plätze in Außenarbeitsgruppen.
Von Elisabeth Schaal

Der Werkstattbereich ist mit rund 30 Prozent chronisch überbelegt. Zum andern „steigen die Zugangszahlen ständig“, erlebt Pulm, seit April vergangenen Jahres Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH. Doch nicht nur die Aussicht, (zu) lange in der Warteschleife auf die benötigten staatlichen Fördermittel warten zu müssen, war Grund dafür, den bereits geplanten Anbau zu kippen. „Die Behinderten haben heute ganz andere Ansprüche an sinnstiftende Arbeit als noch vor 20 oder 30 Jahren“, erzählt Pulm. Und sie würden sich sehr wohl umschauen, welche Werkstatt welches Angebot unterbreite: „Wenn wir uns nicht verändern, sind wir irgendwann nicht mehr gefragt.“ Immer stärker sei zu spüren, dass behinderte Menschen ein möglichst normales Berufsleben wollten - auch wenn es für den ersten Arbeitsmarkt nicht reiche. „Manche erklären klipp und klar, dass sie nicht in einer Werkstatt beschäftigt werden wollen. Sie sehen das ein Stück weit als Entwertung ihrer Arbeit an.“Mit dem Ansinnen, verstärkt dezentrale Arbeitsgruppen einzurichten, sorgte der neue Mann an der Spitze zunächst sowohl bei den drei Trägern, der Lebenshilfe Esslingen und Kirchheim und dem landkreisweiten Verein für Körperbehinderte, als auch bei der Behindertenhilfe im Landratsamt für ungläubiges Staunen. Das überraschte ihn ganz und gar nicht. „Bundesweit ist das noch kein gängiges Modell. Da gibt es eben die klassischen Auftragsmontage- und Verpackungsarbeiten in den Werkstätten. Größere Einrichtungen als die unsere schaffen es gerade mal, bis zu zehn Prozent ihrer Arbeitsplätze auszulagern. Wir kommen demnächst auf 25 bis 30 Prozent.“Der Optimismus des W.E.K.-Geschäftsführers kommt nicht von ungefähr: Es gibt bereits zwei erfolgreiche Außengruppen. So arbeitet „ein Dutzend Topkräfte aus unseren Werkstätten“ bei der Reinert Kunststofftechnik GmbH in Bissingen an der Teck. „Unsere Leute arbeiten vor Ort Hand in Hand mit den übrigen Mitarbeitern“, schildert Axel Pulm nicht ohne Stolz.